Interview Familienfotografin Mirjam Klein mit Klick Kind

Dezember 17, 2017

Liebe Mirjam. Stell dich doch bitte erstmal kurz unseren Leserinnen vor! Wer bist du? Wo kommst du her? Wen oder was fotografierst du?

Hallo Carolin, schön, dich und euch, die ihr hier lest, mal virtuell zu treffen. ;) Ich bin dokumentarische Familien- und Hochzeitsfotografin und fotografiere Menschen im echten Leben, in großen und kleinen Momenten, die ihre Lebensgeschichte schreiben. Denkerin, Genießerin, Reisende und möchte immer wieder die Schönheit in den einfachen, echten Dingen des Lebens entdecken. Ich lebe in Hessen, zwischen Marburg und Frankfurt.

Es gibt viele Jobs da draußen. Warum bist du gerade Fotografin für Familien und Hochzeiten geworden?

Das Besondere daran ist, dass die Bilder, die entstehen, Menschen persönlich etwas bedeuten. Sie haben Wert für eine Familie und sogar für zukünftige Familie. Es fasziniert mich auch, dass Fotos Geschichte schreiben können. Sie können ein Stück Identität schenken. Uns die eigene Lebensgeschichte erzählen. Können uns dankbar machen. Und Bilder können mit der Zeit an Bedeutung gewinnen, werden immer wieder aus neuen Perspektiven betrachtet. Dieses Thema „Geschichte schreiben“ taucht für mich immer wieder auf. Nach Bedeutung suchen. Bewusst das eigene Leben leben.

Und dann gibt es neben der Fotografie auch noch die Selbstständigkeit. Ich mag es total, dass ich eben auch ein kleines Business führe. Dass ich nicht nur fotografiere, sondern mich auch mit Themen wie Branding, Marketing, Design, Kundenservice, Logistik, Finanzen, Verpackung, Texten usw. auseinandersetzen darf. Es fordert immer wieder heraus Ziele zu definieren, zu hinterfragen wie und warum man etwas macht. Irgendwie würde ich sagen, es geht da auch ganz viel um persönliches Wachstum und darum sich selbst kennen zu lernen. ;) Als Unternehmerin, als Künstlerin, als Mensch.

Was war dein schönster Moment als Familienfotografin?

DEN einen schönsten Moment gibt es da gar nicht. Solche Momente kommen immer wieder. Wenn ich durch die Bilder klicke und immer wieder lachen muss. Wenn ich ganz nah dran sein darf, an so persönlichen Familienmomenten. Wenn die Kinder gar nicht wollen, dass ich gehe. Wenn sich alle einfach wohl fühlen und wir einfach SEIN können. Wenn ich schon beim Drücken des Auslösers dieses Gefühl habe, einen ganz besonderen Moment gesehen zu haben. Wenn sich fotografieren nach entdecken anfühlt. Wenn die Familie glücklich mit ihren Bildern ist und mir ganz begeistert eine nette Nachricht schreibt. Und wenn ich die fertige Fotoserie im Buch gedruckt vor mir liegen habe.

Und ist bei einem Shooting schon mal etwas richtig schiefgelaufen?

So wirklich „schief laufen“ gibt es bei einer Familienreportage eigentlich nicht. Ich begleite einfach Familienzeit. Wenn der Tag dann anders verläuft als geplant, macht das gar nichts. Und Unfälle gab es bisher noch keine. ;)

Du plädierst für mehr Achtsamkeit und Dankbarkeit. Was möchtest du den Familien gern sagen?

Ach eigentlich will ich einfach nur eine Form dafür bieten. Es gibt sie ja, diese Momente, in denen man einfach wahrnimmt. Ganz da ist. Dieses Gefühl von Dankbarkeit. Aber im nächsten Moment geht das Leben eben auch wieder weiter. Ich glaube, wir haben oft das Bedürfnis, das irgendwie fest zu halten. Uns daran zu erinnern, was uns dankbar macht. Uns zu erinnern, was schön ist und auch ein bisschen, was wir schon geschafft haben.

Wenn man die eigene Familie, das eigene Leben, fotografiert, kann das aber manchmal auch eher zu Stress führen. Immer alles dokumentieren müssen. Oder eben in diesem dankbaren achtsamen Moment jedes Mal schnell zum Handy oder der Kamera greifen zu müssen, anstatt einfach zu bleiben.
Da tut es auch mal gut, einfach eine Familienreportage zu buchen und dadurch einen Moment inne zu halten. Dankbarkeit in einem wunderschönen Fotobuch zusammengepackt zu bekommen. Eine kleine Erinnerungsnotitz aus dem Leben. Obwohl ich ja nur einen kurzen Tag mit den Familien verbringe, habe ich oft das Gefühl, dass die Bilder nicht nur zeigen, was an genau diesem Tag war, sondern allgemeiner für eine bestimmte Zeit im Leben stehen. Dass sie über Anfänge, Sommerabende oder Abenteuer erzählen. Über Leben in der Stadt, Geschwisterliebe und eben „damals Herbst 2016“.

Und wie schaffst du es, dies in deinen Fotos umzusetzen?

Ein Stück weit liegt das in der Art der Fotografie. Ich fotografiere Familienreportagen. Dokumentarisch. Das heißt, ich begleite im Alltag, zu Hause oder unterwegs im echten Leben. Dadurch sind es echte Momente, Gesten, Situationen. Ich lerne die Familien ein bisschen kennen. Was ihnen wichtig ist. Was sie schätzen. Ich beobachte, versuche selbst während der Zeit mit der Familie ganz da zu sein. Achtsam zu sein. Das hat auch etwas mit Empathie zu tun. Mit einem wertfreien Blick. Auf meinen Bildern sieht man oft kleine Gesten, stille Momente, witzige Situationen und gemeinsames Sein. Das sind für mich Motive, die das Leben Feiern. Die dankbar machen. Die den Blick auf die kleinen wichtigen Dinge richten.

Und zum Schluss: Was sind deine persönlichen 3 Geheimtipps zum Fotografieren von Kindern?

Oh, es gibt natürlich ganz viele Tipps, aber gerade im Hinblick auf das Jahresende und das Thema, das eigene Leben zu dokumentieren, um darauf zurückblicken zu können, fallen mir im Moment zwei Dinge ein:

1/ Mach dich frei von dem Gedanken, alles fotografieren zu müssen. Jeden kleinen Moment und jede Geste fest halten zu wollen und in jeder Situation schnell das Handy oder die Kamera raus zu holen. Überlege lieber gezielt, was dich im Moment glücklich macht, woran du dich noch lange erinnern willst. Und überlege dann, wie du das am besten fotografierst. Das breite Grinsen des Jüngsten? Dann muss es vielleicht gar kein Portrait sein, sondern lieber eine Detailaufnahme. Der Moment wo die Kinder so friedlich spielen und ganz vertieft sind? Dann beobachte diese Momente regelmäßig. Warte auf eine gute Komposition, auf gutes Licht und zeige z.B. den ganzen Raum – eher aus einer Beobachterperspektive. Gezielt fotografieren. Auf das eine Bild hinarbeiten, das ein Gefühl, eine Lebenssituation einen Lieblingsmoment widerspiegelt.

2/ Überlege dir, was mit all den Fotos passiert. Zum einen digital – wo werden die Bilder gespeichert (und gesichert !!), wie werden sie sortiert? Zum anderen analog – gibt es ein Jahresalbum mit Bildern oder eine Kiste in die immer wieder ein paar entwickelte Fotos gelegt werden? Lädst du deine Fotos auf Instagram und dokumentierst eure Geschichte? Soll es diese Geschichte auch analog geben? Wofür fotografierst du? Für dich? Für deine Kinder, wenn sie älter sind? Wie willst du/wie sollen sie die Bilder anschauen? Und was damit ein bisschen einhergeht: sortiere regelmäßig. Ob es einen Favoritenordner auf dem Handy gibt oder du ein mal im Jahr den großen Ordner auf dem Laptop durchgehst – Bildauswahl ist eine der wichtigsten Dinge in der heutigen digitalen Welt. Wenn die Fotos letztlich Massen von unsortierten Bilddateien bleiben, haben sie ihren Sinn verfehlt. Höchstwahrscheinlich hat man schon ein paar Jahre später keine Lust mehr, sich durch 3000 (oder auch 1300 ;)) Bilder aus dem Jahr X zu klicken. Also – rigoros aussortieren! Eine kleine Anzahl von Bildern macht sehr viel glücklicher. ;)

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